{"id":192,"date":"2007-04-16T22:44:24","date_gmt":"2007-04-16T20:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/bufton.net\/blog\/2007\/04\/16\/wie-die-mause-in-die-luft-kamen\/"},"modified":"2007-04-16T22:44:24","modified_gmt":"2007-04-16T20:44:24","slug":"wie-die-mause-in-die-luft-kamen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bufton.net\/blog\/2007\/04\/16\/wie-die-mause-in-die-luft-kamen","title":{"rendered":"Wie die M\u00e4use in die Luft kamen"},"content":{"rendered":"<p>Vor 6 Millionen Jahren sassen die M\u00e4use zusammen und diskutierten. &#8220;Wir haben es satt,&#8221; sagten sie, &#8220;immer am Boden herum zu kriechen und nur Gras zu sehen. Etwas muss sich \u00e4ndern!&#8221; Sie einigten sich ziemlich schnell: &#8220;es muss nach oben gehen, in die Luft!&#8221;<br \/>\nEs folgten weitere lange Planungssitzungen. Sie diskutierten wieder und wieder bis tief in den Tag hinein (sie sind ja mehrheitlich nachtaktiv&#8230;) bis endlich ein Plan herauskam: &#8220;wir m\u00fcssen uns Fl\u00fcgel wachsen lassen!&#8221;<!--more--><br \/>\nDie Botschaft verbreitete sich im M\u00e4usereich wie ein Lauffeuer: &#8220;Eltern, schaut zu, dass Eure Kinder Fl\u00fcgel haben!&#8221; Pflichtbewusst schauten sich die M\u00e4use immer Bilder von Fl\u00fcgel an, bevor sie Kinder bekamen. Sie studierten auch sorgf\u00e4ltig die fliegenden Insekten, und dachten sich dabei immer &#8220;Meine Kinder m\u00fcssen auch solche Fl\u00fcgel haben!&#8221; Nat\u00fcrlich ging das nicht \u00fcber Nacht, auch wenn sie noch so positive Gedanken formulierten. Die ersten Generationen haben sehr genau hinschauen m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt etwas erkennen zu k\u00f6nnen. Aber sie waren treu, und gaben die Pl\u00e4ne auch ihre Kinder weiter. Nach eine Million Jahren war es endlich so weit: die erste Maus mit brauchbaren Fl\u00fcgel war da! Seine Eltern waren ganz stolz, und haben keinen Aufwand gescheut, damit der kleine zuk\u00fcnftsweisende Kerl das Fliegen lernen konnte. Sie wurden auch von den Mausmedien st\u00e4ndig befragt, wie sie es dann geschafft hatten, ein flugf\u00e4higes Kind zu bekommen. Ihre Antworten wurden schnell verbreitet. Ein Tipp hat aber leider zum Krieg zwischen den M\u00e4usen und den Insekten gef\u00fchrt: die stolzen Eltern haben geraten, M\u00e4use sollten auch fliegende Insekten fangen und essen. Die Insekten haben mit voller Wucht zur\u00fcckgeschlagen: bis heute leiden M\u00e4use unter die Angriffe der Fussoldaten der Insekten, die Fl\u00f6he.<br \/>\nW\u00e4hrend seine ganzen Jugendmonate musste das Kind das Fliegen \u00fcben: sein ganzes Dorf hat st\u00e4ndig Polstermatten aus Gras gewoben, damit er eine sichere Umgebung f\u00fcr seine Flug\u00fcbungen hatte. T\u00e4glich hat er ge\u00fcbt, m\u00fchevoll. Bald kamen auch weitere flugf\u00e4hige Kinder zur Welt, als die anderen Eltern die Tipps befolgten! Endlich war es so weit&nbsp;&#8211; die ersten flugf\u00e4hige M\u00e4use waren bereit, loszufliegen und die L\u00fcfte zu erk\u00fcnden! Eine Million Jahre hat es gedauert, aber die M\u00e4use waren ihrem Ziel treu geblieben. Die Nacht kam, an der die ersten M\u00e4use wirklich frei fliegen sollten, ohne Polstermatten, ohne Sicherheitsnetz. Alle M\u00e4use versammelten sich wieder. Sie feierten! Sie jubelten! Die Aufregung war gr\u00f6sser, als es je ein Maus zuvor erlebt hatte. Der Grosse M\u00e4userat trat auf mit langen Reden (aber kurzem Sinn): Dank an die Generationen die bis jetzt durchgehalten hatten! Das Durchhalten habe sich endlich gelohnt, jetzt br\u00e4che die grosse Zukunft der M\u00e4use an!<br \/>\nDie jungen M\u00e4use setzten zu Flug an: spannten die Fl\u00fcgel und mit eins, zwei, drei Fl\u00fcgelschl\u00e4ge waren sie in der Luft! Sie hoben ab, und zogen Kreise Zentimeter \u00fcber das Gras. Der Jubel war immens! Manche (noch erdgeb\u00fcndene) M\u00e4use konnten ihre Freude kaum b\u00e4ndigen, und h\u00fcpften herum oder vollbrachten zwei- und dreifache Saltos!<br \/>\nNach wenigen Minuten m\u00fcssten die fliegende M\u00e4use aber wieder landen, fast ersch\u00f6pft. &#8220;Essen! Gebt uns Essen!&#8221; verlangten sie. &#8220;Das ist ganz sch\u00f6n anstrengend, immer die Fl\u00fcgel schlagen zu m\u00fcssen! Und wir sehen kaum etwas dort oben! Unsere Augen sind zwar gut, aber nur \u00fcber kurze Entfernung. In die Luft geht alles so schnell vorbei&nbsp;&#8211; da muss man weiter schauen k\u00f6nnen.&#8221;<br \/>\nDie Ern\u00fcchterung war gross. &#8220;Was?&#8221; fragten sich die M\u00e4use, &#8220;eine Million Jahre, und wir k\u00f6nnen nur ein Paar Minuten lang fliegen, und dabei kaum etwas sehen?&#8221; Der Grosse M\u00e4userat trat konsterniert zusammen. &#8220;Sind unsere Vorfahren einen tr\u00fcgerischen Traum gefolgt? Haben wir die letzten Million Jahren verschwendet?&#8221; Das ganze Volk fiel fast in eine Depression. Wieder beriet der Grosse M\u00e4userat N\u00e4chte- und Tagelang und schmied Pl\u00e4ne. Endlich pr\u00e4sentierten sie die Ergebnisse: &#8220;Wir m\u00fcssen im Flug essen k\u00f6nnen, und unsere Sehverm\u00f6gen verbessern! Wie wir es jetzt schon gelernt haben, werden wir fliegende Insekten jagen und essen, aber in der Luft. Das mit dem Sehen ist aber schwierig. Unsere Berater haben zwei M\u00f6glichkeiten ausgearbeitet: die erste ist das Radar, aber da werden in den n\u00e4chsten mehrere Millionen Jahren vermutlich einige Basistechnologien fehlen. Die zweite M\u00f6glichkeit funktioniert \u00fcber Echo: ihr m\u00fcsst laut schreien, und aus dem Echo euch ein Bild der Umgebung aufbauen!&#8221;<br \/>\nDie M\u00e4use waren erschrocken. Die Insekten w\u00fcrden diesen Vorschlag sicher nicht goutieren. Und wie soll das mit dem Echo gehen? Die Verzweifelung war gross. Wieder trat der Grosse M\u00e4userat auf, und ermutigte sie: &#8220;Doch, das k\u00f6nnen wir schaffen. Unsere Vorfahren haben auch nur eine Idee gehabt, und sich lange gedulden m\u00fcssen. Jetzt machen wir es gleich! Wir sagen es immer unseren Kinder weiter: seht zu, dass ihr lernt, Echos zu deuten!&#8221;<br \/>\nEs folgten nochmals eine Million Jahre, w\u00e4hren der die M\u00e4use sich anstrengten. Millionen von Flugstunden wurden absolviert bei verschiedene Versuche, die Echodeutung zu verbessern. (Eigentlich waren es Abermilliarden von oft t\u00f6dlichen Flugminuten, als M\u00e4use in B\u00e4ume und Felsw\u00e4nde gekracht sind beim Versuch, ein Insekt im Flug zu fangen.) W\u00e4hrend dieser Zeit gaben viele frustriert auf, und gaben sich mit der Erde und dem Gras zufrieden. Eine immer kleiner werdende Zahl blieb dem grossen Ziel aber treu bis endlich! eine Maus die ganze Nacht in der Luft blieb und sich im Flug ern\u00e4hren konnte!<br \/>\nEs gab wieder Grund zur Freude! Sie hatten es nach zwei Millionen Jahre geschafft! Der Grosse M\u00e4userat trat wieder zusammen, um das Ergebnis und die Zuk\u00fcnft wieder zu diskutieren. Nach nur kurze Diskussion traten sie wieder stolz vor das Volk: &#8220;Das Ziel der vergangenen zwei Million Jahren ist endlich erreicht! Aber nicht alle sind dem Ziel treu geblieben. Darum haben wir uns entschieden, es gibt ab heute eine Trennung zwischen den treuen und den untreuen. Ab heute d\u00fcrfen sich die treuen <em>Flederm\u00e4use<\/em> nennen, und sich das Leben in der Luft verpflichten! Die untreuen bleiben einfache M\u00e4use, am Boden behaftet.&#8221; Das Gejammer war gross, als die untreue M\u00e4use ihren Fehler gemerkt haben. Und so ist es bis heute geblieben: die M\u00e4use sehen ihre Verwandten in die Luft, und sind erf\u00fcllt von Sehnsucht. Sie sind schon wieder daran, sich Fl\u00fcgel wachsen zu lassen, aber auch f\u00fcr uns Menschen sind eine Million Jahre eine lange Zeit. Wir werden ihren Erfolg oder Versagen nicht mehr erleben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 6 Millionen Jahren sassen die M\u00e4use zusammen und diskutierten. &#8220;Wir haben es satt,&#8221; sagten sie, &#8220;immer am Boden herum zu kriechen und nur Gras zu sehen. 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